2 Seiten ein und derselben Medaille

Do, März 10, 2016 0 Von Anja

Januar und Februar sind daheim grau und nasskalt. So zieht es uns weg und immer wieder nach Südostasien. Wärme, Sonnenlicht, türkises Meer, aromatisch-exotisches Essen, liebenswürdige Menschen, viel Lebenswert für’s Geld … Doch alles hat seine Kehrseite.

Eine willkürliche Auswahl (in willkürlicher Reihenfolge) von Dingen, die alles andere als selbstverständlich sind, wenn man durch verschiedene Länder Südostasiens reist:

Grenzenlose Grenzübertritte
… gibt es nirgends, man läuft nicht einfach hinein ins nächste Land. Man durchläuft stattdessen ein mal mehr oder weniger aufwendiges Immigration Prozedere. Schlangestehen, Fotografiertwerden, Fingerabdruckscan, Gebührabdrücken, Papierkramausfüllen mit Fragen nach Beruf, Einkommen, Rasse (ja, auch das!) …
Und wichtig: Nicht immer passt, was man vorab in Erfahrung gebracht und erwartet hat, mit dem zusammen, was von den Behörden vor Ort eingestempelt wird! Also unbedingt das im Pass vermerkte Ausreisedatum checken!

Saubere Atemluft
… stattdessen Smog in den Großstädten, dichter Qualm von Brandrodungen auf dem Land, Müllverbrennung am Rande der Dörfer. Man trägt im Alltag Atemschutzmasken (von trendy bis edel in Farbe und Muster). Nasensprays sind im Dauereinsatz.

Kühlkette
… kann es nicht geben in Regionen, wo die Versorgung nahezu komplett über Märkte unter freiem Himmel funktioniert. Aber ist natürlich auch überflüssig, wenn das, was am Morgen geschlachtet, bis zum Abend schon gegessen wurde. Auch die Fleischstücke, die unter tags auf Zeitungspapier gebreitet in praller Sonne zum Verkauf am Straßenrand auf dem Boden liegen? Man muss vertrauen oder verzichten.

Sicherheitsvorkehrungen
… stattdessen Risikobewusstsein, Schicksalsergebenheit oder einfach Mangel durch Armut.
Zuhause warnen allenthalben Schilder vor Gefahren. Es wird selten bis nie ein Schild entfernt, es kommen nur immer neue hinzu. Weiß man eigentlich immer, warum? Unsere Straßen säumen Schilderalleen, für alles gibt es Regeln, wir fühlen uns sicher, wenn wir uns nur daran halten! Oder uns mit dem neueste Equipment versehen, das lassen wir uns dann auch was kosten.
Hier läuft man ständig Gefahr, ohne Vorwarnung, im Straßenverkehr zuallererst, es ist haarsträubend. Wie können Kinder hier den Weg zum Freund im Nachbarhaus überleben!? Aber auch ein Blick in Werkstätten oder auf Baustellen lässt den sicherheitsverwöhnten Europäer schaudern. Körperliche Schwerstarbeit mit notdürftig geflickten Gerätschaften in Lärm und Dreck. Manchmal sieht man große Plakate an den Toren und Einfahrten: Safety First! Dann tragen die Leute vielleicht Helm, kraxeln aber immernoch mit Flipflops über’s Bambusbaugerüst!

Wärme
… ihretwegen kommt der Europäer im Winter hierher. Hier ist warmes Bettzeug völlig überflüssig, oder nicht? Als wir gerade im Norden Thailands unterwegs waren, drohte ein signifikanter Kälteeinbruch, also Temperaturen unter 10 Grad plus. Das Amt für Disaster Prevention and Mitigation forderte die lokalen Autoritäten auf, Vorkehrungen zu treffen, u.a. warme Decken auszugeben. Hier haben die Häuser oft keine Fenster, man schläft auf dem Boden, das „Badezimmer“ befindet sich im Freien, warmes Wasser ist nicht selbstverständlich, man friert jämmerlich im Fall des Falles!

Mülleimer
… nicht vorhanden oder nicht als solche zu erkennen, stattdessen Haufen am Wegesrand, die im schlimmsten Fall einfach angezündet werden.

Abendessen in stilvoller Umgebung
… stattdessen Plastikbestuhlung, grelles Neonlicht, verschiedene Vierbeiner unter den Tischen, Abfälle auf dem Boden, schrille Musik.

Bodylotion, die (neben vielen anderen Dingen) nicht auch ankündigt, die Haut aufzuhellen
… alternativlos, keine Chance, ich war in jedem Laden, ein Jammer! 😉